Wandlungen

Gestern spazierte ich an der Bille entlang und verspürte den dringenden Wunsch, mich in einen Baum zu verwandeln.

Beide Füße fest auf den Boden gestemmt spürte ich, wie meine Wurzeln in das Erdreich drangen und Halt suchten und fanden. Ich gestattete mir, Jahrzehnte zu wachsen und zu reifen, im Herbst schüttelte ich meine Blätter ab und schlief im Winter, während die Bille langsam zu fror. Im Frühjahr fühlte ich frische Lebenssäfte durch meine Adern rinnen, Knospen bildeten sich und entwickelten sich zu frischen grünen Blättern, während die Bille leise glucksend über die Steine in ihrem Bett floß. Schließlich wurde es mir zu langweilig, immer an einem Ort zu stehen.

Ich verwandelte mich in eine Katze, schüttelte mich kurz und amüsierte mich über die Bewunderung der Menschen, dass auf einmal so viel Licht auf den  Weg strömte. Ich leckte kurz meine Pfote und wurde von einem Eichhörnchen abgelenkt, aber so schnell ich es auch verfolgte, ich konnte es nicht fangen. Das Eichhörnchen kletterte so flink einen Baum hinauf, dass ich nicht hinter her kam. Wie auch immer, auch das Eichhörnchen hatte ein Recht zu leben.

Auf der nächsten Wiese rollte ich mich schnurrend im Gras und genoss die Wärme der Sonne, bis ich auf einmal niesen musste und aufwachte.

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„Es gibt hundert und tausend Wege.“ – Janosch

Einmal trafen sie eine Krähe. „Vögel sind nicht dumm“, sagte der kleine Bär und er fragte die Krähe nach dem Weg. „Welchen Weg?“, fragte die Krähe. „Es gibt hundert und tausend Wege.“  – Auszug aus Janosch film & Medien AG „Oh, wie schön ist Panama“

Gehe tapfer den Weg, den noch niemand vor dir gegangen ist, und den niemand nach dir gehen wird. Du wirst Abenteuer erleben, manchmal wirst du denken, dass es nicht weiter geht. Manchmal wird es schwer sein und manchmal wirst du das Gefühl haben zu fliegen.

Du wirst vielen Menschen auf diesem Weg begegnen. Einige begleiten dich von Anfang an, einige eine Zeit lang. Ein paar stoßen unterwegs dazu und biegen später wieder ab.

Einige bleiben für immer.

Dein Weg wird nicht gerade aus führen, oder nur selten. Es gibt so viel zu schauen, zu lernen, zu fühlen, zu entdecken. Es kann passieren, dass du hin und wieder ein Stück zurück gehst oder nur langsam voran kommst oder abbiegst.

Das ist in Ordnung. Frei nach Astrid Lindgren: ab und zu hinsetzen und vor dich hinschauen. Oder in dich hinein. Um dich herum?

Was siehst du dort? Sagst du es mir?

Ist es ein Sandweg oder ist es eine Straße, stehen Bäume am Rand oder Büsche, fliegt ein Vogel über dir? Geht es dir gut? Wie fühlst du dich? Läufst du vielleicht durch einen Wald? Oder gehst du am Strand spazieren? So viele Fragen.

Weißt du, welchen Weg ich meine?

 

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Postkarten

Eine Postkarte ist für mich ein Zeichen von Wertschätzung, mehr als eine sms oder eine Nachricht über WhatsApp. Manchmal mehr als eine Mail. Jemand hat sich die Mühe gemacht und eine Karte ausgesucht, von der er oder sie denkt, dass diese mir gefällt oder etwas von dem ausdrückt, das er oder sie mir sagen möchte. Er oder sie hat sich hingesetzt, einen Stift in die Hand genommen und geschrieben, und danach hat er oder sie eine Briefmarke gekauft und ist losgegangen, um die Postkarte in den Briefkasten zu werfen.

Das bedeutet, er oder sie hat intensiv an mich gedacht. Allein die Tatsache, dass ich eine Postkarte bekomme ist ein Zeichen, dass ich nicht allein bin auf dieser Welt. Noch jemand schätzt mich, das Schreiben und die Kunst. Jede Postkarte ist ein kleines Kunstwerk. Manchmal kommerziell, manchmal künstlerisch, witzig oder zum Nachdenken anregend.

Wann tatsächlich die erste Postkarte verschickt wurde, ist nicht mehr nachweisbar. Es gibt jedoch einige Seiten im Web, die sich mit der Geschichte der Postkarte beschäftigen. Ein kleiner Auszug aus Wikipedia:

„1760 führte das private Stadtpostunternehmen Petite Poste (Kleine Post) in Paris offen lesbare Mitteilungen ein, 1784 führte die privat betriebene Kleine Post in Wien Karten mit offen versandten Mitteilungen ein. In beiden Fällen sind jedoch keine Exemplare erhalten.[3][4][5] 1840 erschien in England die erste Briefmarke und verbreitete sich bald über den Globus. Das war eine Voraussetzung für die Postkarten und das Postwesen in der heutigen Form.“

Den vollständigen Artikel gibt es hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Postkarte

Eine Postkarte ist offen lesbar, daher wird wohl niemand Geheimnisse oder vertrauliche Worte damit verschicken. Trotzdem sagt eine kleine Karte so viel aus. Gerade zu besonderen Anlässen sind Postkarten mit besonderen Motiven eine wundervolle Art zu sagen: Ich denke an dich.

Darüber hinaus ermöglichen Postkarten, Ansichtskarten oder Grußkarten die Verbreitung von Kunst. Nicht jeder hat die finanziellen oder räumlichen Möglichkeiten, Kunstwerke und Bilder in seiner Wohnung zu stellen oder aufzuhängen. Eine Postkarte nimmt nicht viel Platz weg und kann so als Sammelobjekt dienen.

#papeterie #postkarte #grußkarte #everydayinspirationLipmancard

Lipman’s card

Was ich mag

Was ich mag sind die kleinen Dinge, die mir so viel bedeuten:

-kleine Rituale – die Umarmungen am Morgen, bevor er zur Arbeit geht, und am Abend, wenn er nach Hause kommt und mich anstrahlt mit Sternen in den Augen, und vorm Schlafengehen: „schlaf gut und träume was schönes, mach das mal, das ist ein guter Plan“.
-Tippen auf dem Computer. Ich mochte schon früher gerne Schreibmaschine schreiben. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Finger über die Tasten fliegen und dann auf einmal eine ganze Seite vollgeschrieben ist. Es geht so viel schneller als mit dem Stift.

 

Was ich mag sind die kleinen Dinge, die mir so viel bedeuten:

-kleine Rituale – die Umarmungen am Morgen, bevor er zur Arbeit geht, und am Abend, wenn er nach Hause kommt und mich anstrahlt mit Sternen in den Augen, und vorm Schlafengehen: „schlaf gut und träume was schönes, mach das mal, das ist ein guter Plan“.
-Tippen auf dem Computer. Ich mochte schon früher gerne Schreibmaschine schreiben. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Finger über die Tasten fliegen und dann auf einmal eine ganze Seite vollgeschrieben ist. Es geht so viel schneller als mit dem Stift.
-Ich schreibe auch gern mit dem Füller. Es geht nicht so schnell, ist dafür aber ein sinnliches Erlebnis.
-Ich mag heißen Tee und dann einen Schuß kaltes Wasser hinein, damit ich ihn sofort trinken kann.
-Ich mag Sonnenblumen und Sommerwiesen.
-Ich mag Schnee.
– Und das Buch „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“.
-Ich mag die Jahreszeiten. Jede Jahreszeit hat ihren ganz eigenen Charme. Immer nur schönes Wetter finde ich langweilig. -Ich mag auch graue Tage, und wenn es stürmt und ich dann ganz eingekuschelt auf dem Sofa sitze oder auf meinem Lieblingssessel vor dem Balkonfenster.
-Ich mag unter der warmen Dusche stehen und träumen.
-Ich mag alleine sein.
-Ich mag malen ohne Plan. Farben wählen und losmalen und schauen, was passiert.
-Träumen ist auch was schönes.
-Barfuss am Strand spazieren gehen mit den Füßen im Wasser und manchmal stehen bleiben und das Gefühl, wenn das Wasser abläuft und unter den Füßen hindurch und dann dieses Gefühl, als würde der Sand unter einem weg rieseln.

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Ich gestehe: es fällt mir schwer einfach los und weiter zu schreiben ohne auf Grammatik zu achten, auch wenn ich feststelle, dass ich Fehler mache. Bin zu sehr daran gewöhnt immer alles sofort zu korrigieren.
Dabei ist der Sinn dieser Schreibübung doch das loslassen…. Ich möchte üben.
Eine weitere mögliche Liste: Dinge, die ich gelernt habe. Loslassen beim schreiben gehört noch nicht dazu. Im Kopf rattert es sofort und Korrekturen sind automatisch, muss mich zwingen, bei Fehlern weiter zu schreiben. Vielleicht sollte ich diese Liste umbenennen in Dinge, die ich noch lernen möchte und nicht Dinge, ich gelernt habe. Mir fällt nämlich grad nichts ein, was ich gelernt habe.

 

Warum schreibe ich?

Gedanken sind wie tausend Affen, sagt man. Zumindest in meinem Kopf springen die Gedanken tatsächlich hin und her und schnattern unermüdlich. Wie tausend Affen.

Schreiben hilft mir, Gedanken zu sortieren. Tun mir diese Gedanken etwas Gutes oder ziehen sie mich herunter? Helfen sie mir weiter oder behindern sie mich?

Schreiben soll helfen, sich weiter zu entwickeln, womöglich Teil einer Therapie bei Depressionen sein. Die Gefahr besteht, dass ich hauptsächlich die „miesen“ Gedanken aufschreibe. Egal was darüber gesagt wird: schreibe ich diese auf, verfestigen sie sich. Dagegen kann ein Dankes-Tagebuch helfen. Eine schöne Idee, jeden Abend aufzuschreiben, wofür ich dankbar bin und welche schönen Erlebnisse, Eindrücke, Dinge und Begebenheiten am Tage passiert sind. Helfend, wenn ich beim Schreiben ein echtes Dankbarkeitsgefühl empfinde.

Trotzdem will ich nicht nur positives aufschreiben. Es gibt schließlich in jedem Leben und in jedem Kopf beide Seiten. Und vermutlich mehr als zwei. Es soll ja Zwischentöne zwischen Weiß und Schwarz geben. Auch diese möchte ich erfassen.

Und einen neuen Zugang zu meiner Sprache finden. Ist wirklich alles großartig und wundervoll was schön ist? Wie kann ich genauer beschreiben, was mich wirklich daran berührt? Und ist mies, blöd und doof nicht auch etwas ungenau? Was stört mich, was ängstigt mich, was macht mich wütend, wenn ich es als mies einstufe?

Dies alles möchte ich lernen. Schreibend lernen. Üben. Üben hilft. Nicht nur beim schreiben. Wenn ich es tatsächlich schaffe, jeden Tag einen kleinen Beitrag zu schreiben, bin ich ein großes Stück weiter.  Und ich möchte mit jedem Artikel auch ein Bild veröffentlichen. Also jeden Tag einen Artikel schreiben und jeden Tag ein Bild malen.

Dies ist mein Anfang.

Dieses Bild heißt „Thorns“ – „Dornen“. Sie sind schmerzhaft wie einige Gedanken und so schön bunt wie andere. Und es wirbelt in diesem Bild wie in meinem Kopf.IMG_7261

Der Panther – eine Schreibübung

Der große Dschungel war eine Welt für sich. Undurchdringlich, unübersehbar und fantastisch schlängelten sich seine Fühler in die Prärie hinein. In sicherer Entfernung duckten sich die Gebäude einer kleinen Gemeinde unter die Fittiche der Kirche.

Es gab selten Zusammenstöße mit den Bewohnern des Dschungels. In letzter Zeit tauchte allerdings immer häufiger ein junger Panther auf. Anfangs umkreiste er das Dorf in weitem Bogen. Vorsichtig wittern, zog er die Kreise enger ohne jedoch einen Menschen zu bedrohen. Es schien, als warte er auf etwas.

Bald gewöhnten sich Mensch und Tier an seine Nähe und ließen sich in ihren alltäglichen Verrichtungen nicht mehr stören.

Eines Tages brachte die Postkutsche einen jungen Passagier mit. Der Panther schlich heran. Eine junge Frau glitt das kleine Treppchen hinunter. Eine Böe zauste das lange schwarze Haar. Die grünen Augen glitzerten.  Sie blieb einen Moment stehen, sah sich um und gewahrte den Panther. Beide sahen sich in die Augen und verharrten, bis die junge Frau langsam auf den Panther zu schritt. Er wandte sich um und trabte in Richtung des Dschungels. Die junge Frau folgte ihm geschmeidig……